Spanien

Spanien - Weinanbau in ganz großem Stil

Mit einer gesamten Anbaufläche von bis zu 1,2 Million Hektar verfügt Spanien über mehr Rebfläche als jedes andere Land der Welt und gleichzeitig über ein Drittel der Gesamtrebfläche der Europäischen Union (im Vergleich zu Italien und Frankreich mit je rund 15 % Anteil an der EU-Rebfläche). Man geht davon aus, dass sich etwa 150.000 Winzer in rund 5.000 Weingütern (Bodegas genannt) um den Weinbau in Spanien kümmern. Das hat im Laufe der Zeit dazu geführt, dass die Spanier in manchen Jahrgängen auch die größten Exporteure von Wein sind. Auf diese Zahlen schafft man es jedoch nicht zuletzt dank einem hohen Anteil an Billigweinen aus der Massenproduktion, welche der Weiterverarbeitung dienen. Das soll nicht bedeuten, es gäbe keine Qualitätsweine aus Spanien - ganz im Gegenteil.

Allgemeines zum Wein-Land Spanien

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das "beste" Weinland der Welt bzw. die internationale Nummer 1 zu wählen. Geht es nach der Qualität, tendieren die meisten zu Frankreich. Geht es hingegen nach den Produktions- und Verkaufszahlen, dann gebührt der Platz an der Spitze Italien. Und wenn man sich stattdessen nach der größten Rebfläche für den Weinbau orientiert, dann befindet sich Spanien an der ersten Stelle. Grund genug, um den Weinbau in Spanien besser verstehen zu wollen und die Faszination von Wein aus Spanien zu erklären.

Als Staat auf der Iberischen Halbinsel grenzt Spanien direkt an Portugal und Andorra sowie an Frankreich. Es gehört zu den Mittelmeerländern und gleichzeitig zu den Mitgliedern der Europäischen Union, die neben dem Festland noch zahlreiche Inseln umfasst. Zum einen gehören die Insel der Balearen im Mittelmeer wie u. a. Mallorca und Menorca zum spanischen Territorium; zum anderen sind auch die Inseln der Kanaren im Atlantik wie Gran Canaria, Teneriffa und La Palma spanisch. Insgesamt umfasst Spanien eine Fläche von rund 506.000 km2 und beheimatet mehr als 64 Millionen Einwohner. Ein Großteil davon lebt in städtischen Ballungsräumen, also beispielsweise in der Hauptstadt Madrid und in Großstädten wie Sevilla, Barcelona, Valencia, Zaragoza und Málaga. 17 autonome Gemeinschaften unterteilen das Land, und nicht immer stimmen die Weinbaugebiete in Spanien mit ihren Grenzen überein. Die Landessprache ist Spanisch, doch es gibt etliche regionale Dialekte wie u. a. Katalanisch und Valenzianisch. Zudem ist Spanisch gemeinsam mit Englisch einer der Weltsprachen, da spanische Entdecker in der Vergangenheit bis in jeden Winkel der Erde vordrangen. Am bekanntesten ist Christopher Kolumbus, der nicht nur Ende des 15. Jahrhunderts die Neue Welt und damit den amerikanischen Kontinent entdeckte, sondern damit auch eine lange Kolonialherrschaft in Gang setze. Interessanterweise verbindet man die spanischen Besatzer in der karibischen und lateinamerikanischen Region mit der Einführung von Zuckerrohr, womit sie den Grundstein für die Erfindung und Herstellung von Rum legten. Ebenso gehörten - und gehören - die Spanier zu den treibenden Kräften beim Weinbau. Spanischer Wein ist bekannt und beliebt, und darüber hinaus haben Auswanderer in anderen Ländern - wie auch weitere Europäer - rund um den Globus den Weinbau beeinflusst.

Trotz des Fortbestehens der Monarchie wird Spanien durch eine parlamentarische Demokratie gelenkt. Es ist nicht nur eines der 20 größten Import- und Exportnationen der Welt, sondern auch ein hochentwickeltes Land und eine der Top 5 Urlaubsdestinationen. Man geht sogar davon aus, dass es das am dritthäufigsten besuchte Land ist. Dementsprechend wichtig ist der Tourismus für die spanische Wirtschaft. Neben dem Bau- und Immobiliensektor sowie der Informations- und Kommunikationstechnik spielt der Tourismus mit die bedeutendste Rolle bei den Wirtschaftssektoren. Das liegt am Klima und den landschaftlichen Gegebenheiten sowie an den Kanarischen Inseln und den Balearen. Außerdem ist der Wein-Tourismus in Spanien populär. Knapp 75 Millionen Menschen besuchen den Mittelmeerstaat im Jahr, vor allem aus den europäischen Ländern.

Der Weinbau in Spanien

Rund die Hälfte der Landmasse wird für den landwirtschaftlichen Sektor genutzt, und das berücksichtigt auch den Weinbau in Spanien. Während sich die Landwirtschaft vor allem auf Gemüse, Getreide und Zitrusfrüchte wie Zitronen und Orangen (man denke nur einmal an die Sevilla-Orangen) konzentriert, darf man die Rechnung auf keinen Fall ohne die Oliven für das weltbekannte spanische Olivenöl und ohne die Weintrauben für den berühmten Wein aus Spanien machen. Das Klima kommt den Landwirten und Winzern ebenso wie die landschaftlichen Zonen zugute. Mit reichlich Küstenlinie sowohl am Atlantik als auch am Mittelmeer und einer beachtlichen Ausdehnung (circa 1.000 km von Ost nach West und circa 850 km von Nord nach Süd) ist die klimatische Lage im Wein-Land Spanien alles andere als homogen. Sechs Gebirgssysteme von großer Erstreckung wie die Pyrenäen sowie fünf große Flusssysteme mit Flüssen wie dem Duero und dem Ebro prägen die Landschaft. Ein weitläufiges Hochplateau im Herzen des Landes, Meseta genannt, sowie Scheidegebirge unterteilen Spanien in verschiedene landschaftliche und klimatische Zonen, gemeinsam mit den Talsenken und Küstenebenen. Neben dem (kontinentalen) Mittelmeerklima und dem atlantischen Klima herrschen u. a. noch das Gebirgsklima und das subtropische Klima auf den Inseln. Das wirkt sich je nach der geografischen Lage der Weinberge auf den Weinbau in Spanien aus. Dessen Wurzeln lassen sich auf etwa 4.000 Jahre v. Chr. zurückdatieren, wobei vor allem die römischen Soldaten auf die Geschichte von Wein aus Spanien Einfluss nahmen.

Spanische Weingüter setzen gern auf Vielfalt, um all die Rebfläche mit unterschiedlichen Bedingungen optimal zu nutzen. Sie verlassen sich insgesamt auf über 250 Rebsorten. Das Faszinierende daran ist, dass man zwar automatisch an Rotwein aus Spanien denkt und den Staat zu den Rotweinländern zählt, dass aber die Weinberge in einem Verhältnis von ungefähr 50:50 mit Rotweinsorten und Weißweinsorten bepflanzt sind. Das wiederum ist der Grund dafür, dass Spanien der weltweit größte Hersteller von Weißwein ist. Weiß man das, wird man dem teilweise sträflich vernachlässigten Weißwein aus Spanien genauso viel Aufmerksamkeit schenken wie dem Rotwein. Zu den wichtigsten Rebsorten beim Weinbau in Spanien gehören anteilsmäßig Airén mit 300.000 Hektar, Tempranillo mit mehr als 100.000 Hektar und Bobal sowie Grenache mit jeweils knapp 90.000 Hektar. Des Weiteren spielen die Rebsorten Monastrell, Pardillo, Macabeo (Viura), Palomino und Pedro Ximenez eine wichtige Rolle. Letztere Rebsorte ist beim Sherry gern gesehen, einem Likörwein aus Spanien, der dem Portwein aus Portugal rege Konkurrenz macht.

2003 wurde in dem Land ein Weingesetz verabschiedet, welches mit seinen Vorschriften den Weinbau in Spanien reguliert. Weine aus Einzellagen und Landweine (Vinos de la Tierra) erhielten damit mehr Aufmerksamkeit, wobei spanische Qualitätsweine und regionale Spitzenweine nach wie vor im Rampenlicht stehen. Ganz unten auf der Qualitätsskala steht der Tafelwein (Vino de Mesa) ohne Regulierungen und Herkunftsbezeichnungen. Ihm schließt sich der Landwein aus Spanien mit rund 40 zugelassenen Regionen an. Bis zu 50 % der Rebfläche entfällt auf Qualitätswein mit kontrollierter Herkunftsbezeichnung DO (Denominación de origen). 64 DO-Gebiete prägen damit den Weinbau in Spanien, wobei Wein aus dem Priorat und Wein aus Rioja sogar mit dem Prädikat DOCa (Denominación de origen calificada) geehrt wird.

Pro Anbaugebiet existieren mehrere Qualitätsstufen wie u. a. Crianza (Weine mit einer Fasslagerung von mehr als 6 Monaten und einer Flaschenlagerung von 12 bis 18 Monaten bei einem Gesamtalter von mindestens 24 Monaten), Reserva (Rotwein mit mindestens 12 Monaten Fasslagerung und 2 Jahren Flaschenlagerung sowie Weißwein mit über 6 Monaten Fasslagerung und 1,5 Jahren Flaschenlagerung) und Gran Reserva (Rotweine mit mehr als 2 Jahren Fasslagerung und 3 Jahren Flaschenlagerung sowie Weißweine mit einem Minimum von 6 Monaten Fasslagerung und 3,5 Jahren Flaschenlagerung). Es gibt weitere Fachbegriffe, mit denen spanischer Wein gekennzeichnet wird, wobei auch einige französische Bezeichnungen übernommen wurden. Dulce steht z. B. für süß, Seco für trocken, Tinto für Rotwein aus Spanien, Blanco für Weißwein aus Spanien und Rosado für Roséwein aus Spanien. Nicht vergessen sollte man den Cava, der als spanischer Perlwein und Schaumwein begeistert und eigentlich das katalanische Wort für Sekt ist.

Bekannte Weinbaugebiete in Spanien

Geht es um den Weinbau in Spanien, lohnt sich ein Blick auf die bekanntesten und bedeutendsten Weinbaugebiete in Spanien. Die am südlichsten gelegene Weinbauregion in Spanien ist Andalusien, was bedeutet, dass der Weinbau hier auf das heißeste Klima trifft. Während Wein aus Andalusien nicht sehr wichtig ist, liegt dort die Hochburg der Sherry-Produktion. Der aufgespritete Wein mit geschützter Herkunftsbezeichnung wird bei der Stadt Jerez de la Frontera hergestellt. Typisch spanischer Sherry ist stets ein verstärkter Weißwein aus Jerez in Andalusien, der nach dem Solera-Verfahren reift. Das spezielle "sistema solera" zur Lagerung umfasst übereinanderliegende Fassreihen sowie das wiederholte Umfüllen und Vermählen von kurz, mittellang und lang gereiften Destillaten verschiedener Fässer von Reihe zu Reihe. Sherry aus Spanien wurde von den Engländern in die weite Welt hinausgetragen. In der Regel gewinnen die Weinkellereien einen Weißwein aus der Rebsorte Palomino, der vollständig gärt und dann mit Branntwein versetzt wird. Danach geht es an die komplizierte Reifelagerung und Veredlung. Im Grund ist Sherry ein trockener Wein aus Spanien, aufgespritet und teilweise mit Pedro Ximénez oder anderen Trauben gesüßt. Man kann in den Ausprägungen trocken, halbtrocken und lieblich süß Sherry kaufen und diesen Süßwein aus Spanien z. B. zum Dessert trinken.

Die spanische Weinbauregion der Balearen umfasst die gleichnamigen Inseln im Mittelmeer. Vor allem der Wein aus Mallorca wird im großen Stil von mehr als 200 Winzern hergestellt und kommt im Jahr auf bis zu 25 Millionen Liter Wein aus Spanien. Der Weinbau in Mallorca ist aber nicht immer mit Qualitätswein verbunden. Dasselbe gilt für die Kanarischen Inseln, die eher wenig Einfluss auf den Weinbau in Spanien ausüben. Das Weinbaugebiet Kastilien-Leon im Herzen von Spanien ist erwähnenswert, denn es wird vom Fluss Duero (bei den Portugiesen Douro) geprägt. DO-Zonen wie Ribera del Duero und Ruedo genießen bei Kennern ein hohes Ansehen und haben dem Wein aus Spanien zu seiner Popularität verholfen. Weitere erwähnenswerte Weinbaugebiete in Spanien sind Galicien mit Rias Baixas und der Rebsorte Albarino, Valencia, Navarra mit der Rotwein-Rebsorte Garnacha und dem DOCa-Gebiet Rioja und Kastilien-La Mancha mit Valdepeñas. Das Anbaugebiet La Rioja und das benachbarte Navarra haben sich ebenso wie das Duero-Tal als vorbildliche

Hersteller von unkomplizierten, erschwinglichen Rotweinen einen Namen gemacht.

Ist die Rede von der Weinbauregion Katalonien, geht es meist um den dort produzierten Cava als Sekt aus Spanien. DO-Gebiete wie Priorat, Penedès, Tarragona, Terra Alta, Montsant und Catalunya sind in Katalonien zu finden. Das Weinbaugebiet Priorat mit DOCa-Status ist eines der bedeutendsten spanischen Weinbaugebiete und liefert u. a. konzentrierten, alkoholhaltigen Rotwein aus Spanien. Mehr als 90 % der Rebfläche entfällt auf diese Rotweine mit ihrem riesigen Lagerungspotenzial. Das Beachtliche ist, dass viele Bodegas in Katalonien den sonst so üppigen, bis schweren Rotweinen aus Spanien etwas entgegensetzen wollen und eher leichte Rotweine und Roséweine keltern. Zu diesem Zweck veredeln die Weingüter nicht nur einheimische Rebsorten, sondern auch aus dem Ausland importierte wie Cabernet Sauvignon, Grenache oder Syrah (Shiraz). Das DO-Gebiet Penedès ist beim Weinbau in Katalonien noch wichtiger, denn auf etwa 27.000 Hektar Rebfläche mit drei Zonen herrschen ideale Bedingungen für Wein aus Spanien. Das mediterrane Klima gewährleistet eine durchschnittliche Sonnenscheindauer von 2.500 Stunden im Jahr. Ein Großteil der Weine in Penedès brilliert als spanischer Weißwein und als regionaltypischer Cava. Jährlich mehr als 200.000 hl Weißwein werden gekeltert, wovon etwa 25 % exportiert werden. Der Cava ist ein katalanischer Schaumwein, der sich von den Bedingungen und Verfahren her mit dem Crémant und dem Champagner aus Frankreich vergleichen lässt.

Warum Wein aus Spanien kaufen?

Möchte man Weine aus Spanien kaufen, sollte man sich dessen bewusst sein, wie viele Weinbauregionen und Unterschiede es gibt. Soll es lieber ein klassischer Schaumwein wie Cava, ein süßer und kräftiger Likörwein wie Sherry, ein mächtiger und altersfähiger Rotwein aus Spanien oder ein fruchtig frischer Weißwein aus Spanien sein? Gerade die DOCa-Weine sind von mustergültiger Qualität, doch auch spanische Landweine bergen ein tolles Potenzial in sich. Was ist typisch für Wein aus Spanien? Gehaltvolle, erdig untermalte und feinwürzige, spanische Rotweine werden geschätzt. Mit einem Gran Reserva Rotwein aus Spanien gönnt man sich z. B. zu einem gehobenen Dinner oder bei einem festlichen Anlass etwas Besonderes. Ebenso bemerkenswert sind spanische Weißweine mit ihrer vollfruchtigen bis spritzigen Eleganz und ihrem leichten Charme. Speziell die Airén-Weine mit dem relativ hohen Alkoholgehalt und der gelben Farbe sowie dem beinahe neutralen, klar strukturierten Geschmack lösen beim Weißwein aus Spanien viel Lob aus. Alles in allem konnte man bei den spanischen Weißweinen und bei den Rotweinen in den letzten Jahrzehnten aufgrund diverser Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung und Qualitätssicherung einen Sprung nach vorne beobachten. Für so manch einen ist der spanische Wein daher eine Alternative zum französischen Spitzenreiter.

Preisspanne
€ -
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